Volle Tanks und leere Teller

Der hohe Weltmarktpreis für Mais stürzt Mexiko in die „Tortilla-Krise“

Vor dem Landwirtschaftsministerium in Mexiko-Stadt demonstrieren lautstark einige Dutzend aufgebrachter Menschen, hauptsächlich Hausfrauen. Ein normales Bild in Mexiko, wie man meinen könnte, allerdings betrifft das Anliegen der Frauen die gesamte mexikanische Bevölkerung, vor allem die Armen. In ihren Schürzen protestieren sie gegen den drastischen Anstieg der Tortilla-Preise, dem Grundnahrungsmittel Nummer Eins in Mexiko, in Deutschland dem Brot entsprechend. Auch im noch indigener geprägten Süden des Landes, in San Cristóbal de Las Casas, kann man die Preise auf den ausgehangenen Tafeln täglich „steigen“ sehen. Menschen, die nur über begrenzte finanzielle Mittel verfügen, beschweren sich in nicht überhörbarer Art und Weise, da sie existentiell gefährdet sind.

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Vor allem aber ist ein gewisser energiepolitischer Wandel in den Vereinigten Staaten verantwortlich für die teuren Fladen: In den vergangenen Jahren förderte man zunehmend die Ethanol-Produktion, Naturalkohol aus Mais, der dann an den Tankstellen als „Biosprit“ in die Tanks der benzinhungrigen Autos der Amerikaner fließt. Während 2006 noch elf Prozent der Maisernte für die Ethanolproduktion abgezweigt wurden, werden es dieses Jahr schon 20 Prozent sein. Für 2008 strebt man bereits die 30-Prozent-Marke an. In den USA sind derzeit mehr als 70 Ethanol-Fabriken im Bau, die eine Produktionssteigerung von satten 45 Prozent bringen sollen. Weitere 200 Fabriken sind schon jetzt in Planung. Grund für die außerordentlichen Investitionen in den Sektor der erneuerbaren Energien ist nicht zuletzt der hohe Ölpreis.

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„Für viele Mexikaner ist die Tortilla eine Frage von Leben und Tod“, schrieb gar der Publizist Manuel Jánregui in der mexikanischen Tageszeitung Reforma.

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