100 Kilometer bis in eine andere Welt

Bildung in den zapatistischen Gebieten Chiapas'

Die Touristenbusse erster Klasse rauschen an einem vorbei, wenn man über die „Carretera Mex 199“ von San Cristóbal de Las Casas hinab in die Selva Lacandona in Richtung Palenque fährt. (…) Hier passiert die Straße zapatistisches Gebiet, wie ein selbst gebautes Holzschild am Straßenrand verheißen lässt; „Caracol Morelia – Torbellino de nuestras Palabras“ – „Morelia – Wirbelwind unserer Wörter“ ist der geheimnisvolle Name dieser „Zona Cuatro“. Kaum verlässt man hier die Schnellstraße, holpert man über eine schmale Schotterpiste hinein in diese andere Welt, die, wie sie selber von sich sagt, Teil einer einzigen Welt, die aus vielen kleinen Welten besteht, sein will: „Un mundo donde quepan todos los mundos“.

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Die zapatistischen Gebiete sind politisch so organisiert wie es in etwa die Polis des antiken Griechenlands war, basis-demokratisch und mit einer Verpflichtung zur Teilnahme am politischen System durch Zufallsvergabe der Ämter. Die Zapatisten legen sehr viel Wert auf politische und gesellschaftliche Gleichstellung von Mann und Frau, was zwar ein schwieriger Prozess ist, der aber sehr viel weiter vorangeschritten ist als in den „normalen“ Comunidades. Die kleinen Erfolge der Zapatisten sind jedenfalls sicher der guten Strukturierung und Kommunikation, aber auch der Solidarität und des Ehrgeizes dieser indigenen Bevölkerung zuzuschreiben. Sie haben sich letztendlich entschieden, ihr Schicksal selbst in die Hände zu nehmen.

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Ein wichtiger Teil der zapatistischen Philosophie ist „caminar al paso del más lento“, mit dem Schritt des Langsamsten zu gehen, damit niemand zurückbleibt, wie es schon so oft geschehen ist. Dieser Logik fehlt jede Eile, wie wir sie in der „westlichen Welt“ oft verspüren, vielmehr geht es um den Willen, die gesamte Comunidad an einer positiven Entwicklung teilhaben zu lassen, und nicht nur wenige Individuen.

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