Cochabamba

Konflikt im Herzen Boliviens

Bolivien war Teil des alten Inkareichs und wurde 1536 durch die Spanier erobert. Das Land wurde durch die spanische Krone systematisch ausgebeutet und die indigene Bevölkerung unterdrückt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts durchwehte Südamerika eine Welle der Unabhängigkeit, geführt von Simón Bolívar.

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Am wenigsten profitierte die indigene Bevölkerung von der Unabhängigkeit. Zwar wurde die Sklaverei abgeschafft, doch bildeten weiterhin spanischstämmige Kreolen die Spitze der Gesellschaft und wurde den Indígenas der Zugang zu Politik, Wirtschaft und größten Teilen des gesellschaftlichen Lebens verwehrt.

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Der Anfang des neuen Jahrtausends war geprägt von gewalttätigen Auseinandersetzungen, (…) Dieser konfliktreichen Zeit entsprang schließlich auch die Bewegung „MAS“ (Movimiento al Socialismo) mit Kokabauer Evo Morales als Führungsfigur. Im Jahr 2005 führten Neuwahlen zur ersten Präsidentschaft eines indigenen Bürgers Boliviens, viele Menschen erhoffen sich weit reichende Reformen.

 

Dass das Land weiterhin unter schweren Konflikten leidet, konnte ich mit meinen eigenen Augen im Januar in Cochabamba sehen. In der Innenstadt kam es zwischen 8. und 11. Januar dieses Jahres zu Unruhen und Straßenschlachten. Hier trafen Gruppen von Bauern, hauptsächlich Kokabauern, und städtische Mittel- u. Oberschicht aufeinander.

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In diesem Konflikt steckte mehr als nur Regionalpolitik, dieser Konflikt spiegelte die Spaltung des Landes wider, in dem Bauern und Indígenas versuchen, für mehr Anerkennung, mehr Rechte und mehr Gleichberechtigung zu kämpfen und dabei auf erbitterten Widerstand der reichen Minderheit stoßen. Dies ist ein Kampf Arm gegen Reich. (…) In der postkolonialistischen Realität haben immer noch Kreolen die größte Macht im Staat inne. Ihr Einsatz für die Belange der indigenen Bevölkerung tendiert gegen Null.

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